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Die Pflege ist unser neues Zuhause - Wie eine Familie ihre Berufe wechselte und heute in der Altenpflege arbeitet

15. November 2021

Mama, Papa, Tochter und Onkel: Alle zwei Wochen frühstücken sie gemeinsam im Elternhaus in Bad Tölz (sofern Corona es zulässt). „Wenn wir uns sehen, geht es immer auch viel um die Pflege: Wir tauschen unsere Erfahrungen und Erlebnisse aus - natürlich ohne Namen zu nennen -, geben uns Tipps und coachen uns gegenseitig. Die Pflege ist unser neues Zuhause geworden“, berichtet Tochter Jacqueline Manuwald (23); die vor einem Jahr als letzte in der Familie ihre Altenpflege-Ausbildung abschloss und nun die Vierte im Bunde ist.
 
Die erste, die sich vor sechs Jahren für eine Altenpflege-Ausbildung entschieden hatte, war Mama Melanie (43). Die gelernte Konditorin war lange Zeit Hausfrau und steuerte mit Minijobs ihren Teil zur Familienkasse bei. Als Tochter Jacqueline auf eigenen Beinen stand, entschied sich Melanie für einen neuen Beruf und begann eine Ausbildung als Altenpflegehelferin im Marienstift Bad Tölz. „Niemand hätte gedacht, dass Mama damit einen Weg geht, dem wir noch alle folgen sollten“, erinnert sich Jacqueline.

„Papa arbeitete damals noch als Maler“, fährt sie fort, „aber ein Unfall mit einem Geisterfahrer zertrümmerte ihm beide Beine.“ Zum Glück konnte Igor Manuwald (42) bald wieder – wenn auch eingeschränkt - gehen, doch seinen ursprünglichen Beruf konnte er nicht mehr ausüben. Seine Frau hatte zu der Zeit ihre Helfer-Ausbildung abgeschlossen, arbeitete Vollzeit und war kurz davor, ihre Fachpflegeausbildung in einer Einrichtung der psychiatrischen Rehabilitation zu beginnen.

Schnell kam die Idee auf, dass die Pflege für Herrn Manuwald ebenfalls eine berufliche Perspektive bieten könnte. Herr Manuwald begann seine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger am Josefistift in Bad Tölz. Mittlerweile hat er die Ausbildung abgeschlossen und arbeitet als Fachkraft in einem Pflegeheim in Holzkirchen. Wegen seiner Belastungsschmerzen in den Beinen möchte er künftig mehr Aufgaben in der Organisation und Verwaltung übernehmen.

Der Pflegeberuf war nun in der Familie angekommen und auch Onkel Sebastian (37), Melanies Bruder, ließ sich davon anstecken. Als der gelernte Schweißer arbeitslos wurde, zog er von Rosenheim nach Bad Tölz in die Nähe seiner Schwester und fand schnell einen Ausbildungsplatz als Altenpflegehelfer. „Nachdem Mama, Papa und mein Onkel im Pflegeberuf eine Heimat gefunden haben und ich auch mitbekam, wie wohl sie sich fühlten, wurde das dann auch mein Weg.“ Jacqueline erinnert sich, wie sie noch vor vier Jahren nach ihrer Friseurausbildung als Gesellin arbeitete und dabei das Gefühl vermisste, gebraucht zu werden, etwas Sinnvolles zu tun. „Komm zu uns in die Pflege“, hatte ihr Vater gesagt und musste sie nicht lange überreden. Melanie machte ihre Ausbildung in der gleichen Einrichtung, in der auch ihre Mutter arbeitet und ist nun seit einem Jahr staatlich geprüfte Altenpflegerin.

„Besonders witzig war, dass ich mit Papa und Onkel die Schulbank drücken durfte. Wir besuchten alle die GGSD Pflegschule in Miesbach - zwar in unterschiedlichen Klassen, aber unsere Schulblöcke überschnitten sich häufig und wir trafen uns dann immer in den Pausen. Beim Lernen haben wir uns gegenseitig unterstützt und sind so zusammen in diesen Beruf richtig hineingewachsen.“

An die Schulzeit erinnert sich Jacqueline gerne zurück: „Die GGSD Pflegeschule in Miesbach bietet eine familiäre Atmosphäre. Alle achten aufeinander, man hilft sich und die Lehrer*innen sind immer auch persönlich für ihre Schüler*innen da. Ich hatte im Unterricht mit Panikattacken zu kämpfen, traute mich nicht, vor der Klasse zu sprechen. Meine Klasse hat mich da total unterstützt und auch die Lehrer*innen einschließlich der Schulleitung gaben mir die Kraft, diese Krise zu meistern. Ich habe sogar am Ende meine Facharbeit präsentieren können – wenn auch mir zuliebe vor einem kleineren Publikum und nicht vor der ganzen Klasse.“

Und Corona? „Das ist natürlich ein großes Thema bei uns, das wir daheim auch oft lebhaft diskutieren. Wir sind in der Familie unterschiedlicher Meinung und gehen verschieden damit um. Aber wir streiten uns deswegen nicht. Meine Mutter hatte anfangs große Angst sich anzustecken, mittlerweile haben wir gelernt, mit dem Risiko zu leben, wir sind ja schließlich Profis in Sachen Hygiene.“